Nebeneinkünfte mit … Flaschensammeln

Ein Kollege erklärte mir vor einiger Zeit mal, dass er sich nicht leisten könne, die Option des frühzeitigen „Check Outs“ gemäß des in unserer Firma bestehenden Vorruhestandsmodells in Anspruch zu nehmen: Die zu erwartende Rente fiele dann zu gering aus …

Da ich das als Riesenchance für ihn und sein Wohlbefinden ansah, versuchte ich deshalb, ihn mit meinen Ideen zu ermutigen: Er hätte dann doch vielmehr Zeit, für ein paar Nebeneinkünfte zu sorgen. Und ich legte ihm das Konzept des „modularen Einkommens“ nahe: Viele kleine Einkünfte ergeben im Saldo dann den von ihm monatlich angestrebten Betrag.

Und als erste Möglichkeit fiel mir ein „Modul“ auch sofort ein: Er könne in der vielen freien Zeit, die er dadurch gewönne, doch los ziehen und einfach nur Pfandflaschen sammeln. Denn: Jeden Tag, den ich vom weit weg parkenden Auto zur Firma laufe, sehe ich in Hecken, auf Wiesen, am Straßenrand, am Sportplatz, im Park – eben überall – viele Dosen und Plastikflaschen liegen. Da habe ich halt gedacht, das müsse sich doch bestimmt lohnen. Außerdem kommt diese Art der Beschäftigung gleich noch mit mehreren Vorteilen für die Gesundheit um die Ecke: Man ist an der frischen Luft und bewegt sich viel dabei.
Leider konnte ich ihn damals nicht überzeugen, unserer Firma endgültig den Rücken zu kehren – aber die Erinnerung daran hat mich dazu verleitet, jetzt diesen Vorschlag auch mal auszutesten und einen Beitrag dazu zu schreiben.

Also – nicht lange gezögert und ein Körbchen und ein paar Jutebeutel rausgelegt, bequeme Schuhe angezogen und raus in die Straßen unserer Stadt, auf der Pfand_25ct_280x457Suche nach den großen Funden: Dosen und Flaschen mit Pfandlabel, die immerhin 0,25 € pro Stück bringen. Natürlich darf die Kamera nicht fehlen, schließlich soll ja auch alles dokumentiert werden…

Am vielversprechendsten sind ja Flaschen-Container: Viele Menschen sind zu faul, gerade die „billigen“ Glasflaschen zurück zur Verkaufsstelle zu bringen, da sie nur 8 Cent „gekostet“ haben. Für den ersthaften Sammler ebenfalls eher eine Last – auf der anderen Seite macht Kleinvieh bekanntermaßen auch schon Mist. Und wenn man dann noch Glückstreffer, wie z.B. eine Bügelflasche findet, lohnt es sich auch wieder, da diese immerhin 15 Cent beim Einliefern bringt.

Flaschencontainer

Die erste halbe Stunde meines Versuchs ist jedoch verdammt ernüchternd. Jegliche Plastikflaschen – meistens Mineralwasser –, die ich finde, sind ohne Pfand. Auch die ersten Dosen haben kein Pfandlabel und scheinen irgendwie aus Importen zu stammen. Oder der Gesetzgeber hat die Quoten für Pfandartikel gesenkt? Ich philosophiere beim Weitergehen über das deutsche Pfandsystem und dessen Sinnhaftigkeit, während ich die erste Bierflasche finde, die mir 8 Cent beschert – immerhin. Anschließend werden von mir mehrere Container der Reihe nach inspiziert. Dabei stellt es sich viel schwieriger als gedacht dar, brauchbare Flaschen zu erkennen und anschließend dann auch noch da wieder raus zu bekommen. Wie machen die anderen das bloß? Es gelingt mir schließlich, eine Bügelflasche zu angeln – für mich ein Haupttreffer nach den vielen anfänglichen Enttäuschungen.

Flensflasche

Pfandflaschen_400x406Korb_Flaschen_280x350Nach 2 weiteren Stunden stehe ich endlich im Kaufland an einem der vielen Pfandautomaten und lege meine „Tagesarbeit“ Stück für Stück in die Öffnung des Gerätes. Die Flaschen und Dosen werden schnell auf den kleinen Bändern im Automaten gedreht, gescannt, abtransportiert und dabei auch noch sortiert. Neben mir andere fleißige Sammler, die jeweils mit 2 vollen, blauen Mülltüten von ihrem Spaziergang auch unzählige Flaschen und Dosen mitgebracht haben und nun recht flink die anderen Automaten damit füttern.

Anschließend noch den Pfandbonn an der Kundeninformation gegen Bares getauscht, um mit wieder leeren Jutebeuteln die nächste Tour starten zu können. Mal schauen, was heute noch so geht… auf jeden Fall ergibt es einen – mal etwas anderen – Artikel für den Blog… 🙂

Kleingeld_330x238Nun, viel mehr habe ich an diesem Tag nicht mehr gefunden. Aber ich weiß, dass da noch viel mehr gehen kann. Schließlich gibt es Leute, die vom Flaschensammeln sogar leben können: Bereits geradezu legendär ist der sogenannte „Zugnomade“, der in der Bahn und den zugehörigen Lounges lebt, wohnt und arbeitet. Er finanziert sich die für die freie Fahrt und den Zutritt zu den Lounges benötigte Bahncard 100 (1. Klasse, kostet 6.890 €) mit Flaschensammeln – geht also … (siehe u.a. FAZ).

Erschöpft vom megamäßigen Work-out an diesem Tag – aber sonnengebräunt und glücklich –, mache ich mich bei einer schönen Tasse Tee ans Bearbeiten der Fotos und ans Schreiben des Beitrags … Und, voilá – „habe fertig“!

Hier noch einige weiterführende Links zum Thema:
Fudder.de / Flaschensammler,
Armut in Deutschland – die Flaschensammler,
Focus.de / Mit Pfandsammeln lässt sich viel Geld verdienen – aber ist das überhaupt legal?

“Die Grenze zwischen den Menschen verläuft zwischen denen, die Flaschen sammeln, und denen, die sie wegwerfen.”
Quelle: http://superdemokraticos.com/themen/atomenergie/der-flaschensammler/

 

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